Im FloH-Team spiegelt sich tagtäglich die gesamte Bandbreite pädagogischer Settings wider. Kinder, Jugendliche und Familien individuell zu unterstützen, bedeutet Abwechslung – Termine begleiten, Gespräche führen und beraten, Freizeit- oder Sportaktivitäten besuchen, und vieles mehr. Hierbei hat man Kontakt zu den unterschiedlichsten Personengruppen oder ist oft mitten im Familiengeschehen. Dennoch, egal ob es die Arbeit mit jungen Menschen oder ihren Erziehungsberechtigten betrifft, vieles davon geschieht im Einzelsetting.
Das Eins-zu-Eins-Setting ist das häufigstes Arbeitssetting. Es bietet einen sicheren Raum für persönliche Begleitung, Beziehungsaufbau und -arbeit. Ob beim gemeinsamen Tischtennis-Spiel, am Küchentisch oder bei einem Stadtbummel – der persönliche Kontakt ermöglicht es Klient*innen, sich ohne den Druck einer Gruppe oder der Familie zu öffnen und individuelle Themen zu bearbeiten. Im Einzelsetting können, besser als in anderen Settings, die Beziehungsarbeit intensiviert und persönliche (Weiter-)Entwicklung fokussiert werden. Zudem können Termine überaus produktiv sein, beispielsweise wenn gemeinsam und ohne Störungen Bewerbungsunterlagen erstellt werden können.
Gleichzeitig findet die Arbeit auch in Gruppensettings statt – teils im familiären Kontext, beim Spielplatzbesuch oder Eltern-Kind-Angeboten. Solche Momente ermöglichen es Kindern und Eltern Interaktion und Kommunikation zu üben, gesellschaftliche Teilhabe zu erfahren sowie neue Bekanntschaften zu schließen. In Hinblick auf die jugendlichen und jungerwachsenen Klient*innen findet Kontakt zu Gleichaltrigen hingegen selten statt – jedoch nicht, weil das persönliche Setting präferiert wird. Soziale Erfahrungen außerhalb des persönlichen Settings sind von großer Wichtigkeit für die Klient*innen sowie die Entwicklung von Sozialkompetenzen. In der täglichen Praxis und Lebenswelt der jungen Menschen sind diese allerdings nur vereinzelt verfügbar oder bedingt erreichbar.
Im Vergleich dazu, finden Gruppeninteraktionen in Tagesgruppen oder Ganztageseinrichtungen selbstverständlich und regelmäßig beim Essen, gemeinsamen Lernen und Spielen statt. Im FloH-Bereich hingegen gilt oftmals, das aktive Aufsuchen von sozialen Räumen oder kreative Schaffen von Gruppen. So wird die klassische Unterscheidung zwischen Einzelfallhilfe und sozialer Gruppenarbeit in der täglichen Arbeit zur Herausforderung. Denn die Lebenswelten der Klient*innen sowie die Ziele der Hilfe benötigen flexible Mischformen und niederschwellige Zugänge.
Erfahrungsberichte von Kolleg*innen mit längerer Berufserfahrung im FloH-Bereich berichten hierbei auch von einem Wandel. Zu früheren Zeiten wurden mehr Gruppensettings gefunden und genutzt. Die verschiedenen Fachkräfte nutzen Büroräume vermehrt überschneidend und Klient*innen begegneten sich, die UNO-Runde wurde statt zu zweit zu viert gespielt und es bestand eine breitere externe Angebotslandschaft. Begegnungen zwischen Klient*innen oder gemeinsame Termine zu planen, ist nach wie vor eine angewendete Methode zu Schaffung von Gruppensettings. Doch insbesondere der Zugang zu Begegnungsräumen von jungen Menschen außerhalb der eigenen Hilfeleistungen gestaltet sich schwer. So können beispielsweise ein gemeinsamer Besuch eines Jugendhaus oder das Aufsuchen öffentlicher Sport- und Freizeitflächen für junge Menschen jene „natürlichen“ Gruppensettings schaffen. Zugleich sollte hinterfragt werden, wie „natürlich“ diese Situationen tatsächlich ist. Inwieweit besuchen Fachkraft und Klient*in ein Jugendhaus gemeinsam? Wie bewegen und interagieren sie natürlich in einem Raum, der überwiegend autonom von jungen Menschen aufgesucht wird? Diese Fragen sollen ein solches Vorhaben nicht negativ darstellen. Vielmehr soll das Spannungsfeld zwischen pädagogischer Absicht und Lebens- sowie Arbeitsrealität aufgezeigt werden und eine Anregung für das Finden kreativer Lösungen gegeben werden. Schlussfolgernd lässt sich damit sagen, dass das kreative Zusammenspiel aus individueller Förderung und dem Zugang zu sozialen Erfahrungsräumen eines der charakteristischen Merkmale der FloH-Arbeit abbildet. Die Stärke und zugleich Herausforderung liegt darin, persönliche Einzelkontakte und „natürliche“ Gruppensettings flexibel und klientenzentriert zu schaffen und zu begleiten.

